Sprachraumspieler

Der @GNetzer schreibt, fotografiert, postet. Eine Spielwiese.

Eisern Union - einfach überall.  (hier: H Wörthstraße)

Eisern Union - einfach überall. (hier: H Wörthstraße)

Fußball und Social Media

Diesen Montag fand eine sehr interessantere Ausgabe des Digitalen Quartetts statt, die vor allem schmackhaft besetzt war. Marcell Jansen (HSV-Profi), Jörn Wolf (HSV-Mediendirektor), Kai Pahl (@dogfood, Allesaussersport.de), David Nienhaus (@ruhrpoet, Sportredakteur bei der Waz-Gruppe) diskutierten mit den Gastgebern Thomas Knüwer, Daniel Fiene und einem sich später dazu schaltenden Richard Gutjahr das Thema “Fußball und Social Media”.

Ich konnte die Runde nicht live verfolgen, da ich erst hinter dem Lenkrad auf der Autobahn zwischen Stuttgart und München und anschließend vor dem Bildschirm mit der Übertragung Bayern - Rehden saß. Allerdings ist der Mitschnitt der Sendung auch im Nachhinein (ohne die dazu gehörende Live-Twitterdebatte) interessant.

Da ich privat und beruflich schon lange mit dem Thema zu tun habe, komme ich um ein paar Anmerkungen zur Sendung nicht herum:

Der wahre Hans Sarpei

Inhaltlich herausragend war für mich vor allem Marcell Jansen. Wer ihn bei Facebook und Instagram verfolgt, wusste schon länger, wie authentisch und dadurch sympathisch er seine Kanäle befüllt. Jedes seiner Worte im Hangout zeigt aber noch eindrucksvoller, dass er Social Media verstanden hat. Offensichtlich postet er nicht unwillkürlich in einer authentischen Art und Weise, sondern bewusst.

In einer Passage berichtet er davon, sich oft zu fragen, was ihn als Fan interessiert hätte und was er als Profi via Social Media für Einblicke hinter die Kulissen geben könne - so banal diese Feststellung sein mag, in ihr steckt der Kern dessen, was seine Social-Media-Auftritte von circa 90 Prozent derjenigen seiner Kollegen unterscheidet. Er begegnet den Fans auf Augenhöhe. Interessant in diesem Zusammenhang auch sein Loblied auf die Videofunktion von Instagram. Kurz: In dieser einen Stunde habe ich von Marcell Jansen mehr inhaltlich stimmige Aussagen über Social Media gehört, als von so manch anderem gefeierten “Profi 2.0”.

#kommunikationsherrschaft

Etwas oberflächlich blieb leider die Diskussion über neue Kommunikationsformen und ihre Auswirkungen vor allem auf das Verhältnis von Spielern und Verein. In Deutschland fehlen dafür die (negativen) Präzedenzfälle (Hummels’ “kritische” Facebookpostings lasse ich da nicht zählen), weshalb der Ruf nach Vorgaben der Vereine an ihre Profis noch nicht allzu laut wurde. Ein Blick über den Kanal hätte aber gereicht, in der Diskussion hier einen Schritt weiterzugehen und zu erahnen, dass auch auf die Bundesligavereine hier noch Arbeit zukommen dürfte.

Die twitternden Sportskameraden Joey Barton, Rio Ferdinand und wie sie alle heißen, zeigen immer wieder, wie problematisch es sein kann, wenn ein Spieler zum Pressesprecher seiner selbst und gleichzeitig aber auch als Mitglied eines Vereins wahrgenommen wird. Letztlich zwang das die Premier League selbst zum Handeln, es führte zu Vorschriften und Verboten in der Nutzung von Social Media. Es wäre interessant gewesen, an dieser Stelle mit Jörn Wolf vom HSV über Sinn und Unsinn solcher Maßnahmen zu reden. Und was die Vereine dafür tun, die Medienkompetenz ihrer Spieler zu fördern.

Das Schweigen der Profis

Mit Marcell Jansen und Jörn Wolf saßen zwei so ausgeprägte Social-Media-Freunde in der Diskussionsrunde, dass ein Aspekt etwas unterging: sie sind die Ausnahme. In der breiten Masse haben die Profifußballer in Deutschland Social Media noch nicht für sich entdeckt. Ein Gros der Facebookseiten wird ganz offensichtlich von Agenturen betreut, Twitter ist (deutschlandtypisch) ein Platz für jene, die es wirklich wissen wollen.

Einzig Instagram erfreut sich unter den Fußballern immer größerer Beliebtheit, hier kommen wöchentlich neue Sportler hinzu.* Es wäre spannend gewesen, auch das mit dem in der Runde sitzenden Profi zu erörtern. Er kann abschätzen, warum seine Kollegen keine Lust auf den direkten Austausch mit den Fans haben oder ihnen die Zeit dafür fehlt. Gleichzeitig fällt meiner Meinung nach hier der Blick auf eines der wichtigsten Themen im Bereich Social Media und Fußball überhaupt:

Agenturen - die persönlichen Pressesprecher der Profis

Ein Sportler wie Marcell Jansen, der seine Seite selbst pflegt, ist die Ausnahme. Die Regel sind von Agenturen geführte Seiten, die so von Externen betreut werden, wie es früher bei Homepages der Fall war. Das Spektrum ist dabei breit und geht von Profis, die mit ihrer Agentur telefonieren und dann in “Ich-Form” posten lassen , zu Beiträgen, die fast pflichtschuldig vom Profi (so ist zumindest zu hoffen) verfasst und gepostet werden, bis hin zu Facebookseiten, die zur Hälfte aus gekauften Beiträgen der persönlichen Sponsoren bestehen. Was unter dem Strich zu einer Situation führt, die den Vereinen nicht gefallen kann. Im wichtigen Bereich der Informationsweitergabe, der Präsentation von Teamsponsoren, Neuverpflichtungen und Hintergrundinformationen sitzt ein weiterer Mitspieler am Tisch, gewissermaßen der “Spielerberater fürs Netz”. Eine Situation, die spätestens dann haarig wird, wenn die Reichweite des Einzelsportlers die des Vereins übersteigt. Was kein unrealistisches Szenario ist, da Profifußballer ein Fanpotenzial haben, das in die Regionen von Popstars geht. Dafür muss man sich nur mal die Kommentare unter Bildern der Herren Neuer, Götze, Reus & Co. genehmigen.

Ich habe diesen Konflikt vor ein paar Jahren auf der re:publica bereits angesprochen, inzwischen ist er meiner Meinung nach noch offensichtlicher geworden. Die Vereine müssen sich mindestens der Gefahr bewusst sein, die darin besteht, dass ihre Angestellten über privat gepflegte Kanäle verfügen, die eine mindestens ebenso hohe Reichweite und Sichtbarkeit haben, wie jene des Vereins selbst. Kurzfristig ist es mindestens problematisch, wenn ein Spieler dort losgelöst von Vereinsinteressen agieren kann, langfristig könnte es wirtschaftliche Implikationen haben. Lohnt es sich für Sponsoren wirklich noch, viel Geld für ein Teamsponsoring zu investieren, wenn auf den wesentlich reichweitenstärkeren Privatseiten der zum Team gehörenden Profis in sämtlichen sorgfältig ausgewählten Bildern nur der Konkurrent auftaucht? Meiner Einschätzung nach vergrößert sich hier im Moment die Bedeutung persönlicher Sponsoren zu ungunsten von Vereinsponsoren. Vielleicht nicht innerhalb der Top 20 der Fußballvereine Europas, bei Fußballvereinen mit einer geringeren Reichweite allerdings spürbar.

Blogs und Vereine

Wie stehen Fußballvereine den Blogs ihrer eigenen Fans gegenüber? Diese höchst spannende Frage wurde ebenfalls kurz angerissen. Die Antwort des sehr Social Media affinen Jörn Wolf war meiner Meinung nach dabei bezeichnend. Als Beispiel für ein relevantes Blog nannte er mit “Matz ab” das journalistische Nebenprodukt einer Zeitung und bezeichnete die Vereinsblogs als eine aktuelle Entwicklung. Dass es gerade zum HSV ausgezeichnete Vereinsblogs gibt, die bereits seit mehreren Jahren aktiv sind, weiß er entweder nicht, oder hielt es nicht für erwähnenswert.

Blogs von Vereinen

Interessant war in diesem Zusammenhang allerdings, als er von Überlegungen berichtete, selbst ein Blog für den HSV zu starten. Das war Anlass für Kai Pahl (der mir insgesamt etwas wenig zu Wort kam), einige Beispiele aus den USA zu nennen, wo nicht nur der Umgang mit Vereinsbloggern und eigenen offiziellen Blogs ein ganz anderer ist. Kai nannte in diesem Zusammenhang sehr wertvolle Beispiele. Denn wer wissen will, wie sich in zwei Jahren die Kommunikationsstruktur zwischen Medien, Presse, Sponsoren, Fans und Sportlern verschieben könnte, muss nur einmal über den großen Teich blicken und ein bisschen Gigantismus und Franchise-Mentalität abziehen.

Im eins gegen eins mit Trollen

Ein Thema darf nicht fehlen, wenn es in Deutschland um das Internet geht: Kommentarkultur, beziehungsweise ihr Fehlen. Auch das digitale Quartett kommt ohne Begriffe wie “Shitstorm” nicht aus, Marcell Jansen nimmt negative Kommentare der eigenen Aussage nach auch locker. Das Moderieren seiner Seite übernimmt er - mindestens in Ansätzen - übrigens selbst.

Da ich nun schon jahrelang Kommentare moderieren und mehrere Social Media-Kanäle mit hoher Reichweite betreuen durfte, ist mir diese Kommentardebatte immer sehr wichtig. Denn meiner Meinung nach ergeben sich die meisten derjenigen, die sie so gerne führen, zu schnell ihrem Schicksal und kapitulieren vor dem ach so bösen Internet mit all seinen gemeinen und dummen Trollen.

Hier kommt mir ein Aspekt zu kurz. Ja, lässt man die Leser kommentieren wie sie wollen, dann ist das Niveau meist knapp unter der Erdkruste angesiedelt. Doch hier kommt das große Aber: Wer sich den finanziellen, zeitlichen und nervlichen Aufwand leistet, sichtbar (! - ich rede nicht davon, einfach zu löschen) zu moderieren und mitzudiskutieren, der wird sehr schnell eine Verbesserung der Kommentarkultur feststellen. So habe ich es bisher überall dort erlebt, wo ich mich aktiv in Diskussionen eingeschaltet habe. Natürlich ist es in Sonderfällen nicht zu leisten, jeden Kommentarstrang zu moderieren. Aber nur weil gefühlte 99 Prozent der Medien, Vereine und Sportler komplett darauf verzichten, eine Netiquette anzukündigen und umzusetzen, möchte ich keine Klagen mehr über schlimme Kommentare hören. Das ist, als würde man mit dem abgedrehten Feuerwehrschlauch neben einem brennenden Haus stehen und sich über die unerträgliche Hitze beschweren. Community Management hört nicht beim Posten auf.

* Tipp: Hier lohnt vor allem ein Blick zum Frauenfußball. Erstaunlich, was Nationalspielerinnen hier posten können, ohne dass der Boulevard darauf anspringt.

Sag beim Abschied - und vor allem leise - Servus

Am Ende kommt der Abschied doch schnell. Die vielen Titel, die unglaubliche Torquote, die einstmals so hohe Ablösesumme, sie alle sind plötzlich vergessen, wirken bereits wie zwei alte, wenig überraschende Absätze in der an Rekorden nicht armen Vereinschronik. Es gibt kein Abschiedsspiel, lediglich einen lautlosen Abgang in der Saisonvorbereitung. Einer der besten Torjäger Bayern Münchens verlässt den Verein. Unspektakulär angesichts der prominenten Neuverpflichtungen, wie ein Fremdkörper in der fiebrigen Erwartung der neuen Saison, nur ein Name in der Liste “Abgänge” des Kicker Sonderheftes zum Bundesligastart. Im Sommer 2007 verlässt Roy Makaay den FC Bayern München.

Die Parallelen zu heute sind unverkennbar. So wie der Niederländer damals ohne großen Abschied München den Rücken kehrte, verabschiedete sich auch Mario Gomez vom Verein. Gomez und Makaay sind mehr als bemerkenswerte Einzelfälle. Giovane Elber (ging als Roy Makaay kam) und Miroslav Klose (ging als Gomez kam) sind zwei weitere Beispiele für Stürmer, die trotz ihrer Erfolge still und leise verschwanden.*  

Über allen thront der erfolgreichste FCB-Stürmer aller Zeiten. 398 Pflichtspieltore in 453 Spielen bewahrten Gerd Müller im Jahr 1979 nicht davor, vom Verein in unwürdiger Art und Weise verabschiedet  zu werden. Eine falsch behandelte Oberschenkelverletzung hätte ihn fast zum Invaliden gemacht, bei Trainer Pal Csernai stand er nicht hoch im Kurs. Um seine Freigabe ohne Ablösesumme an den US-Klub Fort Lauderdale Strikers musste er betteln, die Einwilligung von Präsident Neudecker bekam Müller in einem Hinterzimmer bei einer Sportmesse. Sein Vorgesetzter prahlte vor den Journalisten (“Seht mal wie schnell das geht, wenn Männer miteinander reden. Ohne Juristen.”) Gerd Müller sagte nichts. Eine bemerkenswerte Dokumentation zeichnet seinen Abschied bei Bayern ausführlich nach. 

Müller, Elber, Makaay und jetzt Gomez. Alle waren sie für den FC Bayern München sehr erfolgreich. Keiner von ihnen blieb titellos. Doch alle wurden nicht durch das viel beschworene “große Tor” verabschiedet. Eher durch die stille Hintertür. Woran liegt das? 

Eine mögliche Antwort könnte ihre Spielposition sein. Wie Torhüter sind auch Stürmer exponiert, ihnen kommt eine besondere Rolle zu. Die Währung ihres Erfolgs sind nicht gewonnene Dribblings oder antizipierte Pässe, sondern das wichtigste im Fußball: Tore. Ihr Erfolg wird dadurch vermeintlich messbar, viel besser als das beispielsweise bei einem defensiven Mittelfeldspieler der Fall ist. Auch dessen Leistung kann anhand von Zweikampfwerten und Laufstrecken eingeordnet werden. Doch während man sich beim einen tief in Statistiken einlesen muss, liegt das Arbeitszeugnis des anderen vermeintlich offen sichtbar für alle da. Tore und Gegentore reduzieren Stürmer und Torhüter im Fußball auf einige wenige Zahlen. Die Kraft dieser Zahlen wirkt länger als die 90 Minuten auf dem Platz. Es ist keine Ausnahme, dass Stürmer nach drei Abstaubertoren und mittelmäßiger Leistung zum Spieler des Spiels erkoren werden. Für die Feinheiten in der Bewertung ihres Spiels fehlt Medien und Publikum oft das Auge, manchmal auch nur die Zeit. 

Gemessen an Toren zeigte die Leistungskurve bei den Genannten in der letzten Saison für Bayern München nach unten. Aber: Auch das nur, wenn man von Gesamtzahlen und nicht der Torquote pro Spiel ausgeht. Und bei allen ist es eben jene ausgezeichnete Torquote, die den stillen Abschied vom Verein so schwierig zu verstehen macht. Gleichzeitig fällt auf, dass es vor allem Mittelstürmer sind, die beim FC Bayern in hoher Fluktuation wechseln. 

Vielleicht liegt es also an ihrer Spielposition, begründet sich aber nicht in der Reduzierung ihrer Leistung auf Zahlen? Denn der FC Bayern war immer schon ein Ballbesitzverein. An Torchancen mangelt es auch in spielerisch schlechten Zeiten nicht. Es ist kaum ein Spiel denkbar, in dem der FCB nicht wenigstens eine handvoll Möglichkeiten hat, einen Treffer zu erzielen. Offensive Probleme werden demnach nicht an der Entstehung von Chancen sondern an ihrer Verwertung festgemacht. Womit diejenigen in den Mittelpunkt des Interesses rücken, deren hauptsächliche Aufgabe es ist, diese Chancen zu Toren umzuwandeln. Schießt der FC Bayern zu wenig Tore, zeigen die Finger in den Strafraum, dem Biotop der Mittelstürmer. Dabei reicht es für ein schlechtes Gesamturteil schon, nur in wenigen entscheidenden Spielen das Tor nicht zu treffen. Für diese Erkenntnis muss man lediglich Uli Hoeneß fragen, warum es an 19.05.2012 nicht zum Champions League Sieg gereicht hat. 

Hinzu kommt, dass sich kaum eine Spielposition in den letzten Jahren so verändert hat wie die des Mittelstürmers. Am deutlichsten sichtbar daran, dass es diese Position in der spielerischen Perfektion gar nicht mehr gibt, die sich FC Barcelona nennt und die gemeinhin als Vorbild für den Weltfußball gesehen wird. Um die taktische Transformation des Mittelstürmers nachverfolgen zu können, reicht schon ein Blick auf die unterschiedlichen Spielstile, die in den Namen Elber, Makaay, Klose und Gomez verkörpert sind. 

Es liegt auch an der Spielphilosophie des FC Bayern, dass ihr Mittelstürmer weite Teile des Spiels scheinbar unbeteiligt daran vorbeiläuft. Das bayerntypische Spiel über die Flügel umgeht den Stürmer meist im Spielaufbau, reduziert sein Aufgabengebiet auf die einfache Formel: Sei da, wenn der Ball in den Strafraum gespielt wird. Dieser Spielstil hat sich erst schrittweise gewandelt, bis er durch etwas ersetzt wurde, das dem aktuellen Stürmer Gomez weniger zugetraut wird als etwa einem Mario Mandzukic oder Robert Lewandowski. Im Jahr 2013 steht in vorderster Linie ein Hybrid für den FC Bayern auf dem Feld, dessen Rolle je nach Gegner und Spielstand zwischen Manndecker, Spielmacher und Schnittstellenöffner changiert. Um zu verstehen, wie bedeutend diese taktische Entwicklung in Bezug auf die Spielphilosophie des FC Bayern ist, reicht ein Blick zurück auf die Saison 2007/2008, als Ottmar Hitzfeld für Luca Toni den Begriff “Wandspieler” einführte. Bei anderen Vereinen schon längst Usus, war der in den Spielaufbau eingebundene Mittelstürmer für Bayernverhältnisse so revolutionär, dass er sogar eine eigene Bezeichnung bekam. Luca Tonis Aufgabe war im übrigen nicht, mit klugen Diagonalbällen Übergewichte zu schaffen oder Lücken zwischen Innen- und Außenverteidiger zu provozieren, sondern schlicht und einfach mit dem Rücken zum Tor den Ball zum Passgeber zurückprallen zu lassen. Der Einwand, dass schon Jürgen Klinsmann derart mit Pässen in seine Richtung umging, ist aus humoristischer Sicht durchaus berechtigt.

Um zurück zum Punkt zu kommen: Da das Bayernspiel lange Zeit ohne wesentliche Spielbeteiligung des Mittelstürmers stattfand, hatten diese schon immer einen schweren Stand. Trafen zu wenige Ballkontakte auf zu viele vergebene Torchancen, war bei fehlendem Erfolg der Buhmann schnell gefunden. Meist schlich er im Korridor vor dem Strafraum herum, gerne auch mal im Abseits.

Hinzu kommt ein Aspekt, der in seiner Banalität den Stempel “Phrasenschwein” trägt: Im Fußball ist nicht so unbedeutend wie die Vergangenheit. Titel werden am aktuellen Spieltag gewonnen und nicht in der vergangenen Saison. Wirtschaftlich geht der Blick immer nach vorne - wer sich an gute Statistiken in der Vergangenheit erinnert, gilt als realitätsferner Nostalgiker. Auch das gehört zur Beurteilung von Mittelstürmern: Ihre vergangenheitsbezogen Quoten unterliegen angesichts ihres aktuellen Trefferkontos. 

Taktische Veränderungen, Spielphilosophie und fehlende Nostalgie. Reicht das schon um zu erklären, warum es gerade die Stürmer sind, die bei Bayern oft schnell und möglichst geräuschlos ausgetauscht werden? 

Vielleicht ist es auch ein Fehler, die Namen Müller, Elber, Makaay, Klose und Gomez nicht nur in eine Reihe zu stellen, sondern gleich in einen Topf zu schmeißen. Jeder Abgang vom FCB erzählt seine eigene Geschichte. Man kann es übertrieben finden, in ihnen Symptome für ein übergeordnetes Phänomen zu sehen. Mindestens bemerkenswert ist es aber schon, wie schwer sich der FC Bayern damit tut, seine ehemals gefeierten und bei großen Teilen der Fans immer noch beliebten Mittelstürmer angemessen zu verabschieden. Es scheint, als würde das “große Tor” zum Abschied nur für jene geöffnet, die neben dem Platz ihre Arbeit für den Verein leisten (Hitzfeld, Heynckes). Für die Spieler - und unter ihnen vor allem die Stürmer - bleibt nur der versteckte Hinterausgang. 

Einen letzten, wiederum sehr profanen, Grund dafür mag es noch geben. Wenn ein neuer Stürmer durch das große Tor hinein will, ist für Gegenverkehr kein Platz. Und durch das kleine Türchen ist noch kein Spitzenstürmer zum FC Bayern gekommen.

* Evtl. kann man in dieser Reihe noch Roland Wohlfahrth nennen - ich meine mich vage erinnern zu können, in einer Bayernchronik von einem unspektakulären und ob der guten Statistiken unwürdigem Abgang gelesen zu haben. Ließ sich nachträglich durch Recherche im Netz aber nicht bestätigen. Vielleicht hat jemand von euch Erinnerungen daran?

neonmagazin:

Außerdem in der neuen Ausgabe: NEON-Redakteur Lars fand Heavy Metal schon immer schrecklich. Das war für ihn der beste Grund, ein Kreuzfahrtschiff zu besteigen - mit 2000 Metalern.Hier gibt’s die neue Ausgabe zum Durchblättern. 

neonmagazin:

Außerdem in der neuen Ausgabe: NEON-Redakteur Lars fand Heavy Metal schon immer schrecklich. Das war für ihn der beste Grund, ein Kreuzfahrtschiff zu besteigen - mit 2000 Metalern.

Hier gibt’s die neue Ausgabe zum Durchblättern. 

neonmagazin:

Die neue Ausgabe von NEON - ab 15. April im Handel! 
- Titelgeschichte: Für immer verliebt! Wie man es schafft, auf Dauer* miteinander glücklich zu sein (* oder wenigstens diesen Frühling)
- Die Besser-Esser: Warum sich immer mehr Menschen vegan ernähren - und wer an dem Trend verdient
- “Ist es so heiß oder bist du das?” Was wirklich gegen die schlimmsten Anmachsprüche hilft
- Mein Opa war im KZ: Junge Israelis lassen sich die Häftlingsnummern ihrer Großeltern tätowieren
- Kreuzfahrt mit Hörsturz: Unser Autor wagt sich auf ein Schiff mit tausenden Heavy-Metal-Fans
- Auf ein Glas mit…Agnieszka Brugger: Bis zur Wahl geht NEON jeden Monat mit jungen Politikern trinken. Diesmal mit den Grünen
- Mal unter uns: Soll man gute Freunde kritisieren? Zwei Autoren, zwei Meinungen
- Hochdeutsch für Anfänger: Unsere Autorin spricht schwäbisch. Also hat sie sich bei einem Deutschkurs angemeldet
- Interview: “Ich entdecke alles zu Fuß” Der britische Autor Dan Kieran erklärt, warum man langsam reisen sollte
…und vieles mehr!
Hier könnt ihr das Heft schon jetzt durchblättern.

neonmagazin:

Die neue Ausgabe von NEON - ab 15. April im Handel! 

- Titelgeschichte: Für immer verliebt! Wie man es schafft, auf Dauer* miteinander glücklich zu sein (* oder wenigstens diesen Frühling)

- Die Besser-Esser: Warum sich immer mehr Menschen vegan ernähren - und wer an dem Trend verdient

- “Ist es so heiß oder bist du das?” Was wirklich gegen die schlimmsten Anmachsprüche hilft

- Mein Opa war im KZ: Junge Israelis lassen sich die Häftlingsnummern ihrer Großeltern tätowieren

- Kreuzfahrt mit Hörsturz: Unser Autor wagt sich auf ein Schiff mit tausenden Heavy-Metal-Fans

- Auf ein Glas mit…Agnieszka Brugger: Bis zur Wahl geht NEON jeden Monat mit jungen Politikern trinken. Diesmal mit den Grünen

- Mal unter uns: Soll man gute Freunde kritisieren? Zwei Autoren, zwei Meinungen

- Hochdeutsch für Anfänger: Unsere Autorin spricht schwäbisch. Also hat sie sich bei einem Deutschkurs angemeldet

- Interview: “Ich entdecke alles zu Fuß” Der britische Autor Dan Kieran erklärt, warum man langsam reisen sollte

…und vieles mehr!

Hier könnt ihr das Heft schon jetzt durchblättern.

neonmagazin:

Unsere User zeigen, was sie in ihren Taschen so mit sich herumtragen. Derzeit ganz weit vorne: Stifte, Haargummis und Handys. Alle Fotos gibt es hier.

neonmagazin:

Unsere User zeigen, was sie in ihren Taschen so mit sich herumtragen. Derzeit ganz weit vorne: Stifte, Haargummis und Handys. Alle Fotos gibt es hier.

Wie FCB und BVB gestern während des Spiels Twitter eingesetzt haben.

Wie FCB und BVB gestern während des Spiels Twitter eingesetzt haben.

Nach Deutschland - Schweden

Ich nenne es “das deutsche Rätsel”. Es beschreibt dieses merkwürdige Ungleichgewicht zwischen Spannung und Entspannung, zwischen Konzentration und Fahrlässigkeit, zwischen Kreativität und Schablone, zwischen der manchmal überragenden Mannschaft Deutschland und ihren Einzelspielern, die nur in schlechten Momenten der Gruppe mit ihren Fähigkeiten so wirklich herausstechen; letztlich gipfelnd in der Lücke zwischen dem Anspruch, mit dem besten Team seit 1972 Titel zu holen und der Realität, dass genau diese Generation zuletzt immer daran gescheitert ist. Seine Mystik erlangt dieses Rätsel aus der Tatsache, dass Nuancen den Unterschied zwischen den Extremen ausmachen, das Ungleichgewicht herstellen. Weder fehlende Führungsspieler noch Tischtennisplatten auf Berggipfeln oder gar die Inbrunst beim (Nicht-)Singen der Nationalhymne schieben die Gewichte zwischen den Polen auf die eine oder andere Seite. Es sind diffuse Strömungen, kaum zu fassen und zu benennen, die von Zeit zu Zeit die Deutschen erfassen und sie lenken. Sicher ist: diese Mannschaft wird immer neu begeistern und das Rätsel vielleicht vergessen machen. Es ist aber zumindest im Bereich des Möglichen, dass es sich ebenso unvermittelt wieder zeigt. Nur der warme Mantel eines Titels könnte es zufriedenstellend überdecken. Ich möchte eigentlich nicht Jogi Löw sein.